2014-10-15 frank berlinOktober 2013, die Bewerbungsphase für den Berlin-Marathon. Spontan einfach mal angemeldet.
Die freudige Nachricht kam am 31.10.2014, ich wurde unter 74707 Bewerbern ausgelost. Kurz mit Nicole besprochen, okay wir fliegen hin und sofort Flug und Zimmer gebucht.
Das was es erst einmal, und der Berlin-Marathon rückte in weiter Ferne.



Juni 2014, den Duisburg-Marathon erfolgreich absolviert. Berlin wurde langsam ein wenig präsenter.

Juli 2014, ich fühle mich gut. Das Training verläuft ebenfalls sehr gut. Eine Zielzeit von 3:30 sollten wieder machbar sein.

August 2014, mein Knie macht mal wieder Probleme. War bereits im Frühjahr diesbezüglich beim Arzt, aber weder durch Ultraschall, Röntgen noch MRT konnte etwas festgestellt werden. Die nächsten Wochen mit Bandage gelaufen. Hat geholfen, die Beschwerden wurden weniger. Gleichzeitig fühlte ich mich in Bezug auf Trainingszustand sehr fit. Der Entschluss reifte in Berlin die 3:20 anzugehen.

September 2014, alles Bestens. Mein Knie macht immer weniger Probleme, und mit meinen Trainingsfortschritten bin ich mehr als zufrieden. Es läuft also alles planmäßig in Richtung neue Bestzeit.

Sa. 27. September 2014, früh am Morgen am Flughafen und mit Nicole und Bianca B. Richtung Berlin. Zimmer, Frühstück, Messe, Relaxen, Startbereich ansehen und abends zum Italiener Nudeln essen. Danach früh ins Bett, die Mädels hingegen haben sich noch ein wenig mit Wein vergnügt.

So. 28. September 2014, Marathon-Tag.  
2014 10 15 frank2Mal wieder früh aufstehen, eigentlich viel zu früh. Leider gab es im Vorfeld nicht die Möglichkeit die Eigenverpflegung abzugeben, dies konnte erst am Marathon-Tag bis 7.30Uhr erfolgen. Hatte mir im Vorfeld ein wenig Gedanken gemacht wie gut oder schlecht ich meine Eigenverpflegung wieder finden würde. Bunt, mit Fähnchen etc. macht irgendwie jeder. Ich habe mich dann für einen anderen Weg entschieden: „Einfarbig Rosa“. Bei der Abgabe wurde ich zwar ein wenig belächelt, aber ich kann schon mal verraten, es hat funktioniert.
Berlin ist schon eine ganz andere Hausnummer als Duisburg, Essen und Co, ein riesiger abgesperrter Läuferbereich. Alles sehr gut organisiert, nur die üblichen Warteschlangen vor den WC´s. Gut das ich da als Mann weniger Probleme habe, und es ausreichend Bäume gab.
Es war noch recht frisch, was ich aber dank Plastikfolie und der steigenden Aufregung nicht übermäßig bemerkte. Ab in den Startblock. Erste Startwelle, Block D, 3.15. Es war voll und durch die vielen Läufer angenehm warm. Eine beeindruckende Atmosphäre, diese Läufermassen, vor mir die Siegessäule und hinter mir das Brandenburger-Tor welches ich nach 42km wieder durchlaufen werde. Großartig.
2014 10 14 frank5Der Starschuss, langsam setzt sich die Masse in Bewegung. Siegessäule, Ernst-Reuter-Platz, und schon sind die ersten beiden Kilometer vorbei. Es wird Zeit das eigene Tempo zu finden.
Zwischen km 4 und 5 taucht plötzlich vor mir ein Luftballon auf, den einzigen welchen ich überhaupt gesehen habe. Als ich näher komme lese ich die Aufschrift:  „3.30“ . Schock, der Blick auf die Uhr, kann nicht sein. Oder geht meine Uhr falsch? Beim km 5-Schild dann die Gewissheit, ich bin im Plan.  Der Brems- und Zugläufer war eindeutig zu schnell oder hatte den falschen Luftballon.
Bei km 10 die erste Eigenverpflegung. Die Spannung steigt, werde ich meine Flasche schnell erkennen können? Zum Glück wurde wesentlich weniger Eigenverpflegung abgegeben als ich gedacht hatte, und schon aus einigen Metern Entfernung konnte ich meine Rosa-Flasche erkennen. Alles Besten.
Ab km 12, 13 wurde es allgemein ein wenig entspannter, das Läuferfeld hatte sich auseinander gezogen. Dieses ständige Aufpassen, Abbremsen, Beschleunigen auf den ersten Kilometern war ein wenig nervend und auch Kräfte raubend. Ich finde es schwer dabei den eigenen Lauf-Rhythmus zu finden und zu halten. Es gibt Läufer die wollen ohne Rücksicht in jeder Links- und Rechts-Kurve immer Ideallinie laufen.
2014 10 15 frank3Die Stimmung ist gut, viele Zuschauer, jede Menge Bands, oder Anwohner mit eigenen Musikanlagen etc. Worüber denkt man als Läufer bei einem Marathon eigentlich nach? Man hat schließlich 42,195 km Zeit sich so seine Gedanken zu machen.
Halbzeit, die Zeit ist gut, und ich fühle mich gut. Es ist anstrengend ( immerhin laufe ich mit etwas unter 13km/h ) aber es macht auch spaß. Mann hat ja immer die Hoffnung dass dieses gute Gefühl, diese Leichtigkeit bis zum Ende bleibt.
Irgendwann merkt man dann doch die Belastung, langsam Kilometer für Kilometer. Der Mann mit dem Hammer ist mir hingegen noch nie begegnet. Das nächste große Etappenziel ist km 30. Es wird weiter anstrengend. Dann km 32, nur noch 10 Kilometer, nur noch Einstellig. Die Zeit ist gut, alles im Plan. Die Zuversicht steigt unter 3.20 bleiben zu können. Irgendwann nach km 35 wird es hart, ich muss ein wenig kämpfen. Klar, der ganze Körper ist bereits stark erschöpft und möchte eigentlich nicht weiter laufen, aber am meisten Probleme machen mir meine Oberschenkel. Die Muskeln möchten nicht mehr so wie ich es möchte. Das Laufen wird schwerer, wie mit Blei in den Beinen.
Ich merke wie ich etwas langsamer werde und Zeit verlieren. Gut das ich mir auf den ersten 35 Kilometern ein Zeitpuffer erlaufen habe.
Kilometer 39, Leipziger Platz, ein kurzer Blick auf das neue Einkaufszentrum LP12 an dessen Planung ich beteiligt war. Zu mehr war ich aber aktuell nicht mehr in der Lage. Ein gewisser Tunnelblick / ein gewisses Tunneldenken macht sich breit. Irgendwie wird einem alles gleichgültig, man will nur noch ins Ziel kommen und die Zeit halten. Die Beine werden noch schwerer. Endlich Kilometer 40. Jetzt folgen in kurzen Abständen nur noch ein paar links-rechts-Kurven und dann werde ich das Brandenburger-Tor erblicken.
Es ist wie vor drei Jahren, die letzte Links-Kurve und ich sehe das Tor. Ein wenig Gänsehaut, noch mehr Zuschauer, die Musik, der Berichterstatter. Ich versuche die Atmosphäre zu genießen,  denke nicht mehr ans laufen. Das Ziel vor Augen laufe ich ein wenig wie ferngesteuert, schwer in Worte zu fassen. Ich will und/oder kann aber auch nicht mehr das Tempo anziehen, zumal mir in dem Moment bereits bewusst ist es wird reichen. Durch das Brandenburger-Tor zu laufen ist ein schönes Gefühl. Ich möchte behaupten für jeden Läufer der mal erfolgreich am Berlin-Marathon teilgenommen hat wird dieses Tor immer eine besondere Bedeutung haben.
Die letztem Meter und ich habe das Ziel, und mein Ziel erreicht. Es ist immer wieder schön einen Marathon zu finishen, eine neue persönliche Bestzeit zu laufen und dann auch noch unter 3.20 zu bleiben. Meine Netto-Zeit lautet schließlich 3:19:30 mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 4,43 min pro Kilometer.
Im Nachzielbereich kann ich erstmal gar nicht stehen bleiben, ich trabe ganz langsam weiter. Hilft mir auch meinen Kreislauf runter zu bekommen. Irgendwie bin ich der einzige, und ein paar Läufer schauen mich merkwürdig an und mögen denke: „Bleib stehen, Du bist im Ziel“
Medaille, Finisher-Foto und dann mit ganz viel Erdinger einfach nur das Erreichte genießen.  Ich bin ziemlich geschafft, meine Oberschenkel brennen, aber auch glücklich und Stolz auf meine Leistung.

2014 10 15 frank4Berlin ist toll, die Stadt genauso wie der Marathon. Diese Läufermassen, die vielen Zuschauer, das gesamte Paket machen diesen Lauf zu etwas Besonderen.
Für mich ist Berlin eigentlich keine Bestzeitstrecke. Ich brauche für einen perfekten Lauf ein wenig mehr Platz, gerade auf den ersten Kilometer war es mir zu voll, zu unruhig.
Hätte ich noch mehr erreichen können? Solch eine Frage ist immer schwer zu beantworten. Zwischenzeitlich habe ich eine um 1,2 Minuten bessere Zielzeit für möglich gehalten. Möchte behaupten von meiner Kondition her wäre es realistisch gewesen, mir haben halt die Muskeln der Oberschenkel Probleme gemacht. Der Muskel-Kater an den Tagen danach war nicht schlecht.
Man wir gerne nach neuen Zielen gefragt. Mal sehen, die nächste magische Grenze wäre natürlich die 3.15 zu unterschreiten. Aber diese Zeit zu erreichen ist schwer, die Luft wird nach oben immer dünner, dazu wäre schließlich eine Pace von 4:37 min/km nötig!
2014 10 15 frank6Aktuell bin ich sehr zufrieden. Die letzten Herbstläufe genießen, versuchen gut über den Winter zu kommen, und dann mal sehen wie es gesundheitlich, zeitlich etc. im nächsten Jahr passt. Das Laufen soll ja auch weiterhin Spaß machen.

Frank Zimmermann