2014-11-16 frankZ
Ende Mai 2014 bin ich durch Zufall im Internet auf eine Laufveranstaltung in einem  Kali-Bergwerk aufmerksam geworden: Sondershäuser Kristalllauf im Brüggemann-Schacht. Zu der Zeit war ich gerade im Büro und habe spontan Nicole mal per email gefragt ob wir dort nicht hinfahren sollen.

 

Frank, Gesendet: Dienstag, 27. Mai 2014 13:05:
 „Sollen wir im Oktober mal nach Erfurt fahren und unter Tage 10,5 km laufen?“

Nicole, Gesendet: Dienstag, 27. Mai 2014 13:10:
„Du hast ja komische Ideen ;-) Du weißt dass man mich damit nicht wirklich reizen kann. Aber wenn du das unbedingt möchtest, mache ich mit.“

Frank,Gesendet: Dienstag, 27. Mai 2014 13:59:
„Anmeldung ist raus…..“

Nicole, Gesendet: Dienstag, 27. Mai 2014 14:12:
„Du machst nen Scherz, oder ?“

Frank, Gesendet: Dienstag, 27. Mai 2014 14:19:
„Nö………….“

Das wäre also geklärt. Sondershausen bei Erfurt liegt von Mülheim immerhin gut 340 km entfernt. Also  musste eine Unterkunft her. Da der Lauf an einem Samstag stattfinden sollte, war  mein Plan am Freitag anzureisen und bis Sonntag zu bleiben.
Wieder half Kollege Zufall, und ich bin auf die Burg Großfurra aufmerksam geworden. Sofort mal nachgefragt und ein Zimmer gebucht.

Gut zwei Wochen vorher habe ich mich mal wieder mit dem Lauf beschäftigt und ein wenig im Internet nach Informationen gesucht. Faszinierende Bilder welche meine Vorfreude noch mehr gesteigert haben. Ein wenig haben mich jedoch die Aussagen irritiert, der Lauf hätte sehr viel Profil und wäre nicht einfach. Die Bedingungen wären auch aufgrund des Klimas alles andere als leicht und sollten nicht unterschätzt werden. Zur Orientierung für eine realistische Zielzeit sollte man zu seiner 10km-Zeit 15 Minuten hinzurechnen. Wir reden hier von einem Lauf über  10,5km!
Nicole habe ich erstmal nichts von meinen Erkenntnissen berichtet. Auch dachte ich mir sooo schlimm kann das gar nicht sein. Vielleicht hätte ich mir mal die Ergebnisse der letzten Jahre ansehen sollen….

Freitag 24.10. ging es dann gut gelaunt und ausgeschlafen los. Die Hinfahrt zog sich jedoch ein wenig, von einem Stau zum Nächsten. Am Nachmittag sind wir dann schließlich doch noch in Großfurra eingetroffen. Schon von Außen hinterließ die Burg einen sehr interessanten Eindruck. Ich mag solche Gebäude. Von der Burgherrin wurden wir sehr nett empfangen und zu unserer Kammer gebracht. Absolut toll, totale Begeisterung. Liebevoll in Eigenregie restaurierte Räume,  original krumm und schief, ein knarrender Holzboden, niedrige Türdurchgänge, alte Möbel, so wie es sich für eine alte Burg gehört.

Samstag 25.20.
Der Start war für 11.00 Uhr angesetzt. Wir waren bereits gegen 8.30 Uhr am Schacht, da ich gelesen hatte dass es später am Förderkorb zu Wartezeiten kommt. Es war auch schon recht viel los. Wir konnten aber noch ganz in Ruhe unsere Startunterlagen abholen, und uns ohne Wartezeit zum Förderturm begeben.
Die Grubeneinfahrt war schon ein Highlight. Man sollte hier keinen hellen, freundlichen Fahrstuhl erwarten, es handelt sich schließlich um den originalen Förderkorb der Bergleute. Eine dunkle, kleine "schwarze Kiste" ohne Türen, nur auf beiden Seiten so eine Art Vorhang welcher zugezogen wurde. Es dauerte fast vier Minuten, bis wir schließlich unser Ziel in einer Tiefe von 700m erreicht hatten.
Unten im Hauptstollen angekommen erstmal überrascht, alles recht groß und der sofort ins Augen fallende Startbereich war gut beleuchtet. Es war aber auch schon angenehm warm. Da wir recht früh Unten waren, gab es ausreichend Zeit sich alles in Ruhe anzusehen. Alles sehr interessant, weiter rein wurde es dunkler, es gab jede Menge Tische und Bänke, Getränke-Stand, Kaffee, Kuchen, Brötchen, WC-Anlage, Bergmannskapelle, etc.....alles vorhanden. Die Stimmung war sehr entspannt und es war relativ ruhig.
Hatte ich eigentlich schon erwähnt dass für den Lauf eine Helmpflicht besteht? Es liefen also alle Läufer und die wenigen zugelassenen Zuschauer mit Fahrradhelmen durch die Gänge.
Zum Warmlaufen gab es einen separaten Stollen (kleiner Rundkurs). Dabei wurde uns schon bewusst, der Lauf wird nicht leicht. Der Untergrund war sehr sandig, und es wurde dunkler und wärmer. Wir haben uns dann auch lediglich nur ein wenig „eingetrabt“.

Das Startfeld war auf 500 Teilnehmer begrenzt. Gelaufen werden mussten drei Runden von je 3,5km.

Nach dem Start ging es raus aus den geräumigen, hell erleuchteten und gut klimatisiertem Hauptstollen, ab in die verzweigten unterirdischen Stollen. Und direkt nach der ersten Kurve ging es auch schon bergauf. Es folgten weitere Kurven, es ging bergauf und bergab. Die Bodenbeschaffenheit war sehr unterschiedlich. Teilweise hart und glatt mit Rutschgefahr, dann wieder Sand wie am Strand  mit funkelnden Kristallen. Das Läuferfeld hat sich sehr schnell auseinandergezogen, da der Leistungsunterschied unter den Läufern relativ groß war.
Die erste Runde war natürlich am spannendsten, da man nicht wusste was einen erwartet. Es wurde verdammt anstrengend. Das Klima in den Gängen war auch nicht das Beste, ich kam mir zeitweise vor wie in einer Sauna. Die Ausleuchtung war sehr spärlich, einige Läufer sind daher mit Stirnlampen gelaufen. Teilweise war ich auch sehr einsam, 700m Tiefe unter der Erde. An der Strecke natürlich keine Zuschauer, nur an jeder Abzweigung ein Bergmann welcher den Läufern den richtigen Weg signalisierte, kaum Beleuchtung, der nächste Läufer weit vor oder hinter mir, und dazu diese Ruhe. Eine tolle Erfahrung.
Ständig ging es bergauf und bergab, es gab keine 100m die mal flach geradeaus gingen. Steigungen bis zu 10%! Wieso wurden die Stollen eigentlich nicht flach angelegt? Solche Berge hätte ich unter Tage nie erwartet. Ein 3,5km langer Rundkurs bestehend aus „Hügeltraining“, „Bahndamm“ und „Pferdewege“.
Aber das Beste sollte zum Ende der Runde kommen:
Es gibt dort doch tatsächlich unter Tage einen „Esel“! Vor mir konnte ich im Schummerlicht einen langen Anstieg erkennen, na toll dachte ich mir, das kann ja heiter werden. Nachdem ich mich den Anstieg hochgequält habe und dachte endlich oben zu sein machte der Stollen jedoch lediglich einen Knick und es ging weiter bergauf. Oben stand dann passender Weise ein Fotograf und hat entsprechend nette Bilder von fertigen Läufern gemacht.

Nach der ersten Runde war ich schon komplett durchgeschwitzt, die Oberschenkel machten sich bemerkbar. Dazu ein salziger Geschmack auf den Lippen.
Gut das es nach jeder Runde eine Verpflegung gab, welche ich dankbar entgegen nahm .
Runde zwei wurde für mich noch einsamer, da sich das Feld weiter auseinander gezogen hatte. Der Lauf fordert die volle Aufmerksamkeit, starke Gefälle in Kombination mit dem Untergrund sind nicht zu unterschätzen. Viele Kurven, kürzere und längere Anstiege, aber auch sehr lange und steile Abschnitte mit Gefälle. Und zum Ende der Runde wieder dieser „unter-Tage Esel“.

In Runde 3 konnte ich einige nicht so fitte Läufer, welche auch bereits an den Anstiegen gegangen sind, überrunden. Aber auch ich war bereits ganz schön geschafft, extremes Tempotraining unter Tage. Als ich das dritte und letzte Mal den „unter-Tage-Esel“ bezwungen habe, war ich fix und fertig und froh im Ziel zu sein. Für die gerade mal 10,5 km habe ich immerhin 55 Minuten benötigt.
Wenn ich den eingangs erwähnten 15 Minuten Aufschlag von der Zeit abziehen würde ich sagen passt.

Für jeden Finisher gab es neben einer Urkunde einen einzigartigen Salzpokal. Kein produziertes Produkt, sondern ein Stück original Gestein mit funkelnden Einschlüssen.
Zusammenfassend ein anstrengender Lauf mit einer super Atmosphäre in einer wahnsinnig tollen Umgebung. Hat riesigen Spaß gemacht. Würde ich jederzeit gerne wiederholen.
Abends gab es als Belohnung in der Burg-Schänke ein leckeres Rittermahl, Wein und Jägermeister. In rustikaler Burgatmosphäre, sitzt man gemeinsam mit weiteren Gästen in lockerer Stimmung an großen Tischen und Bänken.
Wäre die Entfernung nicht so groß, würde ich sagen ein tolles Event für eine Vereinsfahrt.

P.S. Für nicht LC´ler: Pferdewege, Bahndamm, Esel, etc. sind anspruchsvolle Streckenabschnitte welche wir für unser Training nutzen.

Frank Zimmermann