Ein Lauf- und Leidensbericht von Frank Zimmermann (schneller Hirsch)
Aber wie so oft kommt es dann doch anders. Gerade wir  Spezies aus Gruppe 1+  in unseren Läuferkosmos möchten ja immer mehr, frei nach dem Motto: Höher, schneller, weiter. 2015 hat mich dann wieder ein wenig zurück auf den Boden geholt. Aber lest selber: Das vergangene Laufjahr 2014 war toll. Vor allen mein persönlicher goldener Läuferherbst 2014 mit den tollen Läufen  „Berlin“,  „unter Tage“ und  „Blumensaat“. Auch meine kurzzeitigen Knieprobleme (!!!) in der Berlinvorbereitung konnten mich nicht stoppen. Ich war fit, gut trainiert, super motiviert, und auch den Winter habe ich ohne eine Erkältung überstanden.

Das Laufjahr 2015 konnte kommen und sollte noch besser, einfach super werden. Den Auftakt sollte mal wieder die Winterlaufserie gestalten. Ich mag die Serie, obwohl ich dabei bisher nie besonders gute Zeiten gelaufen bin. Die Serie ist aber ein guter Motivator um Anfang des Jahres aus dem Winterschlaf in ein strukturiertes Training zu kommen. Obwohl ich unter der Erwartung des einen oder anderen Vereinskollegen (Marcus) geblieben bin, war meine 10km Zeit vollkommen in Ordnung. Am Anfang eines Jahres überlegt man sich als Läufer immer schon so grob an welchen Lauf man teilnehmen, und welche persönlichen Ziele man erreichen möchte. Auch so bei mir. Nach der Winterlaufserie sollte es der Venloop Halbmarathon sein, dann der Hamburg-Marathon, und der Duisburg-Marathon sollte das Frühjahr Für den Herbst war dann ein schneller Marathon (3:15) in Essen vorgesehen, mein erster kleiner Ultra in Bottrop (hatte dafür sogar einen Sponsor gefunden, Besten Dank nochmal an Patrick von Grobi.TV) und da bisher immer ein paar Sekunden gefehlt haben sollte zum Ende des Jahres die 40 Minuten beim 10km-Blumensaat-Lauf geknackt werden.
Der 2. Lauf der Winterlauf-Serie lief übermäßig gut. Als ich nach den 15km im Ziel war dachte ich mir: “Eigentlich hättest Du auch noch ein wenig schneller laufen können „Mein Training mit vier Einheiten pro Woche zahlte sich scheinbar aus. Mir wurde klar den Halbmarathon, entweder bei der Winterlaufserie oder/und in Venlo, würde ich unter 1:30 Std. laufen. Wie sagte Thomas Gading beim Training zu mir: „Frank Du Tier (schneller Hirsch), Du machst mir Angst!“ Das war als Kompliment zu sehen, und so habe ich es auch verstanden.

Es war der 12. März, ein Donnerstag und somit mein Tempodauerlauf - Irgendwann hat sich ein Ziehen in der linken Wade bemerkbar gemacht, welches ich natürlich versuchte zu ignorieren. Es wurde leider sehr schnell stärker, und nach 12,6km Tempo ging nichts mehr, mit einem stechenden Schmerz musste ich abrupt stehen bleiben. Sehr gutes Timing, bis zum Halbmarathon in Venlo waren es nur noch 10 Auch eine Überdosis Arnika konnte nicht helfen, schlussendlich musste ich vier Wochen pausieren. Der Halbmarathon in Duisburg, genauso wie in Venlo, war also Geschichte. Aber nicht nur das, mittlerweile hatten wir schon April. Um genau zu sagen nur noch zwei Wochen bis zum Hamburg-Marathon. Und ich hatte bisher keinen einzigen langen Trainingslauf über 30km absolviert, der letzte 20km Lauf war Anfang März. Aber es kam noch schlimmer.
Irgendwie lief ich seit einiger Zeit nicht „Rund“. Als Läufer kennt man nach einer gewissen Zeit seinen Laufstil und bekommt ein Gefühl dafür. Ich lief einfach nicht so geschmeidig wie sonst. Noch schlimmer war, dass ich im April meine Trainingsläufe immer wegen Schmerzen im Knie und dem unteren Rücken/Becken rechts abbrechen musste. Es war zum Verzweifeln, nur noch eine Woche bis Hamburg. Da ich mir keinen anderen Rat mehr wusste bin ich in der letzten Woche vor dem Marathon zweimal je eine Stunde beim Osteopathen gewesen. Für Mittwoch und Freitag hatte ich je einen Termin bekommen. Freitag, zwei Tage vor dem Start, dann das große Bangen. Mir war klar sollte ich heute beim Laufen wieder diese Schmerzen bekommen, würde ich in Hamburg nicht starten können. Aber die Osteopathie hatte geholfen und ich konnte 10km ohne Probleme laufen. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, Hamburg sollte kommen… Hamburg war wieder ein Highlight, es waren mindestens 35 LC´ler vor Ich wollte einfach nur halbwegs entspannt ins Ziel zu kommen, und so bin ich dann auch recht gelassen losgelaufen ohne ständig auf die Uhr zu schauen um ein gewisses Tempo für eine gewisse Zielzeit  einhalten zu müssen. Okay, ich wollte zumindest unter 4 Stunden bleiben.
Unterwegs hat mir Heinz dann irgendwann mal in seiner „niedlichen“ unverkennbaren Stimme zugerufen: „Ich dachte Du wolltest langsam laufen?“ Bin dann wohl doch ein wenig schneller als gedacht gewesen und hinter Marcus K., als zweiter LC´ler in deutlich unter 3.30 Stunden im Ich war suuuuper glücklich, mit solch einer Zeit hatte ich nicht gerechnet. Daher kommt auch mein Spruch: “lange Läufe werden komplett überbewertet“! Was natürlich nicht stimmt.

 

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Noch ein paar Tage in Hamburg genießen, eine Woche Pause und dann wieder das Training für den Duisburg Marathon am 07.06. aufnehmen. Aber auch dieser Plan sollte ebenfalls nicht aufgehen. In der folgenden Zeit endeten meine Trainingsläufe immer wieder mit Schmerzen im rechten Knie. Es war zum Verzweifeln. Ich kam nie über 10-11km. Irgendwann musste ich mir eingestehen, den Duisburg-Marathon kann ich abhaken. Was nicht leicht war, gerade Duisburg wo natürlich die meisten Vereinskollegen selber laufen oder an der Strecke stehen, laufe ich eigentlich sehr gerne. Ist auch irgendwie sowas wie ein Heimspiel, obwohl ich in Mülheim wohne.
Okay, mal dem Körper ein wenig Erholung gönnen, rausnehmen und nach dem Sommerurlaub wieder mit dem Training für den Herbst beginnen. Mittlerweile war es Mitte Juli. Nach unserer Norwegen Kreuzfahrt sollte es losgehen. Leider war mein Knie anderer Meinung. Immer nach 5-6km machte sich ein leichter Schmerz bemerkbar, welcher bei weiterer Belastung immer stärker wurde. An mehr als 10km war gar nicht zu denken. Der erste Frust machte sich ein wenig breit. Auf Röntgenbild und MRT war nichts Außergewöhnliches zu erkennen. Jeder weitere Versuch endete mit demselben negativen Ergebnis.  Inzwischen war ich soweit, dass ich mir selber Ausreden zurechtlegte um nicht Laufen gehen zu müssen. Zu kalt, zu warm, zu spät, zu dunkel etc.. Und das, obwohl ich ja grundsätzlich laufen wollte. Musste das eine oder andere mal an Achim Achilles denken. Als Läufer sollte man mal ein Buch von Ihm gelesen haben. Man kann sich wunderbar in den Worten wiederfinden und darüber schmunzeln.
Ich hatte wahrscheinlich einfach nur Angst bei jeden erneuten Versuch wieder nach 5-6km diese dämlichen Schmerzen im Knie zu bekommen. Teilweise hatte ich schon Selbstzweifel, bilde ich mir die Schmerzen nur ein? Aber auch die Versuche mich beim Laufen mit anderen Gedanken abzulenken blieben leider erfolglos.
Mittlerweile war es August. Bereits über drei Monate ohne Laufen. Leider machte sich dieser Zustand auch in Bezug auf mein Körpergewicht bemerkbar. Irgendwann bemerkte ich, dass die Hosen ein wenig enger wurden. Da ich nicht an die kleinen Tierchen glaube, welche heimlich die Kleidung enger nähen, musste es einen anderen Grund geben. Dabei habe ich in den vergangenen Monaten doch eigentlich gar nicht mehr gegessen als sonst. Aber auch nicht weniger. Es fehlten leider die mehreren Tausend Kalorien welche ich normalerweise pro Woche beim Laufen verbrenne. Schlussendlich waren es fünf Kilo zu viel. Es war auch die Zeit in der ich nicht wirklich viel vom Laufen hören wollte. Da Nicole ja auch läuft, unterhält man sich automatisch recht viel übers das Laufen, den Verein und die Lauffreunde. Ich wollte aber zu diesem
Zeitpunkt nichts vom Laufen hören.

Marcus gab mir dann irgendwann den Tipp in der Sportklink Duisburg eine Bewegungsanalyse machen zu lassen. Erinnere mich noch gerne an unsere langen Läufe, auch schon mal am Samstagmorgen um kurz nach 7:00 Uhr. Und 2016 wollte ich ihn eigentlich ein wenig bei seiner TorTur de Ruhr Vorbereitung mit einigen Trainingskilometern unterstützen…. Was hatte ich zu verlieren? Also einen Termin vereinbart. Am 04.09. war es dann schließlich soweit und ich habe mich hoffnungsvoll
in der Sportklink eingefunden, um endlich die Ursache für mein Problem herauszufinden. An allen möglichen Stellen wurden mir Punkte auf den Körper geklebt,
und ich wurde von allen Seiten mit mehreren Kameras aufgenommen. Mal im Stehen, im Laufen, mit Schuhe, ohne Schuhe… Den abschließenden, ausführlichen Bericht mit vielen Fotos sollte ich nach gut einer Woche bekommen. Drei Punkte wurden festgestellt: Ein Beckenschiefstand, ein Einknicken nach Innen beim Auftreten und
einen unzureichende Hüftstreckung. Wobei der letzte Punkt mich nur ein wenig schneller machen würde. Okay, ein Ansatz. Die komplette Auswertung an meinen Orthopäden gesendet, welcher mir daraufhin Physiotherapie verschrieben hat. Bin dann Conny´s  Tipp gefolgt und zum Physiotherapeuten Zaric in der Nähe vom Duisburg Zoo gegangen. Herr Zaric hat sich ein sehr umfassendes Bild von mir gemacht. Meinen Beckenschiefstand hat er natürlich auch direkt bemerkt. In der folgenden Therapiestunde hat er an mir „herumgezogen“, dass ich dachte jetzt bestimmt 2-3cm größer geworden zu sein.  An seine abschließenden Worte nach dem ersten Termin erinnere ich mich noch genau: „Heute gehst Du laufen. Es wird nicht gut sein, aber viel besser!“ An dem Abend war kein schönes Laufwetter. Es regnete und war nasskalt, was mir aber vollkommen egal war. Natürlich habe ich darauf gewartet, dass die Schmerzen wiederkommen. Aber es war gut. Ich war jetzt nicht schmerzfrei, aber ich konnte durchaus die 10km laufen. Ein tolles Gefühl. Jede Woche jetzt einmal zu Zaric. Ich sollte immer  3x pro Woche lockere 10km laufen, und danach genau berichten wie es mir ergangen ist. Ob, wo, wann und wie sich Schmerzen bemerkbar machen. Zwischenzeitlich war es bereits November, und von Woche zu Woche wurde es besser. Es ist einfach schön nach einer so langen Zwangs-Laufpause 3x die Woche 10km ohne Probleme/ohne Schmerzen laufen zu
können. Man wird wieder für die kleinen Erfolge dankbar. Anfang Dezember ist dann auch das positive Ergebnis zur Berlin-Marathon Auslosung gekommen. Wird hoffentlich mein dritter Start in Berlin werden. Eigentlich verrückt, man freut sich darüber ausgelost zu werden um viel Geld für einen Startplatz bezahlen zu müssen. Da 2016 sehr viele LC´ler in Berlin starten werden, wird es sicherlich wieder wie Hamburg eine kleine Vereinsfahrt. Im Dezember konnte ich langsam beginnen meine Sonntagsläufe ein wenig zu verlängern. Das Ziel war am 27.12. beim Wupperlauf starten zu können. Das Geburtstagskind Katrin hatte es geschafft unzählige LC´ler zu motivieren,und der Lauf wurde Intern in „Geburtstagsprinzessinnenlauf“ umbenannt.

Ich muss zugeben, mir war nicht bewusst dass es sich bei dem Lauf in Wirklichkeit um einen Trail handelt. Hat aber unglaublich viel Spaß gemacht, und irgendwann war einen auch der matschige Untergrund vollkommen egal. Auf den letzten 11km hieß es dann „Feuer frei“, jeder so schnell er kann und möchte. Aus dem bis dahin geführten Lauf wurde dann doch noch so etwas wie ein Wettkampf. Der LC Duisburg als teilnehmerstärkste Verein konnte eindrucksvoll beweisen, dass wir nicht nur eine verrückte Truppe sind welche:

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-mit Pappkrönchen und rosa Tüllrock zur Belustigung der Spaziergänger
durch den Wald läuft,
-oder an den Verpflegungsständen ganz gerne auch mal HUGO trinkt
(auch schon mal warmen Tee mit HUGO, besten Dank nochmal an
Thomas Poetschki….grins), sondern auch sehr laufstark ist.

 

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Obwohl ich es nicht wollte, hat mein Körper dann doch automatisch in den Wettkampfmodus geschaltet, mein Ehrgeiz erwachte. Irgendwann konnte ich zu Marcus und Sandro aufschließen. Wir haben uns gemeinsam nach vorne gearbeitet und schlussendlich als Erste aus der Startgruppe 2 das Ziel erreichen. Ist mir nicht leicht gefallen, ich war ziemlich platt. Denke ich wollte es einfach wissen und brauchte für mich die Bestätigung, dass ich es noch kann. Leider hatte sich auf den letzten Kilometer wieder mein Knie bemerkbar gemacht. Obwohl ich es nicht wahrhaben wollte, war mir direkt klar, dass es sich nicht um einen normalen Belastungsschmerz, sondern um diesen mir bestens bekannten ungeliebten Knieschmerz handelt. Daraufhin konnte ich dann auch die folgenden zwei Tage aufgrund von Schmerzen nicht richtig gehen. Das ständige Auf und Ab, sowie der anspruchsvolle Untergrund sind nicht gerade förderlich gewesen. Auch eine Woche später beim nächsten Versuch war es nicht wirklich besser. Ein Rückschlag. Also erneut den Physiotherapeuten kontaktieren…
So schnell kann es passieren. Gestern noch bestens in Form, und heute streikt der Körper. Auslöser soll bei mir ein Beckenschiefstand gewesen sein, welchen ich mir schon vor gut zwei Jahren zugezogen haben soll. Der gesamte Bewegungsapparat hat versucht diesen Beckenschiefstand zu kompensieren, wodurch die Gelenke (Knie) höher belastete wurden als normal. Hamburg hat mir dann den Rest gegeben. Vor dem Marathon durch die Osteopathie die Symptome behandelt, aber eben nicht die Ursache behoben, wurde es durch die Belastung beim Marathon natürlich noch schlimmer und es ging gar nichts mehr. Wie kommt man zu einem Beckenschiefstand? Grundsätzlich sollen Läufer dafür anfällig sein, bedingt durch z.B. eine ungünstige Laufhaltung wodurch sich ein Schiefstand langsam einschleichen kann. Oder eben durch ein plötzlicher Ruck, wenn man z.B. unvorhergesehen in ein Schlagloch tritt.
Aktuell hoffe ich nicht noch weitere, bisher unerkannte Probleme zu haben, und gebe mich zwangsweise mit 5km –Einheiten zufrieden.

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Leider ist mein Bericht jetzt ein wenig länger geworden. Grundsätzlich war der gesamte Bericht nicht geplant, ich habe die Zeilen einfach aus einer Laune heraus runtergeschrieben. Da ich dann nicht wusste was ich damit anfangen soll habe ich einfach mal bei Ribbel nachgefragt. Er wollte den Bericht sofort veröffentlichen, hat jedoch angeregt ein paar Zeilen zu kürzen. Konnte ich jedoch nicht, und so ist es bei der Länge geblieben. An alle die bis hier noch mitlesen ein herzliches Dankeschön für das Interesse. Ich wünsche allen Läufern ein erfolgreiches Laufjahr 2016 und hoffe für mich meine alte Form bis September wieder erreichen zu können um in
Berlin einen schönen Marathon zu laufen.

Viele Grüße
Frank Zimmermann “schneller Hirsch“