Mein Marathon-Debüt gab ich beim 30. Rhein-Ruhr-Marathon im Juni 2013 dank fachlicher Anleitung und Betreuung durch den Marathon-Kurs des LC/SSB. Erklärtes Ziel im Juni: Ankommen. Mit rund 4:34 abgehakt.

Dann wollte ich unbedingt einen zweiten Marathon machen, um meine Zeit zu verbessern. Also, Veranstaltungen lokalisieren. Am besten zum Jahresende, damit es schön kühl ist. Münster? Zu früh. Frankfurt? Ja klar! Das muss es sein. Ende Oktober, schöne 10 Grad, etwas Sonne, quasi optimale Bedingungen für einen Lauf. Die Umstände des Vorjahres (Temperaturen um den Gefrierpunkt mit teilweisem Schneefall) konnte ich ausblenden. Nach der Winterlaufserie in diesem Jahr wäre es aber auch kein wirklicher Schock gewesen. Ich bin ja ein Freund der gepflegt kühlen Temperatur beim Laufen.
Mitten im Sommer war mir eine mehrwöchige Zwangspause vergönnt. Da ließ es sich leicht sagen: „Ich würde ja heute gerne trainieren, aber ich darf ja nicht“. Stattdessen testete ich mein Gourmet-Gewölbe auf Dehnbarkeit. Und siehe da, es ließ sich dehnen: Eis und Leckeres vom Grill, alles, was der Bauch so will. 11 Wochen vor Frankfurt bekam ich dann grünes Licht vom Doc, endlich wieder Laufen! Und nun? Eine Woche gucken, ob es geht, dann den Zehn-Wochen-Plan von Steffny durchziehen, passt doch. Zu Beginn des Zehn-Wochen-Plans war es zum einen für meinen Geschmack zu warm, zum anderen grüßte der Erfolg des Geschmacks oberhalb der Gürtellinie. Konsequenz: Kampansage an Temperatur, Zeit und Pfunde. In der freien Interpretation nach Steffny musste doch eine 4:10 aufgrund der HM-Vorleistung drin sein, oder?
Für Frankfurt bastelte ich mir ein Durchlaufzeit-Armband mit 3 verschiedenen Zielzeiten, man weiß ja nie. Die „Handgelenk-Rolle“ war bestückt mit den Zeiten für 4:15, für 4:06 und … sach ich nicht, ich möchte Euch die Bauschmerzen vom Lachen ersparen. Es geht auf den großen Tag zu, die Wettervorhersage verheißt kuschelige 15 bis 19 Grad bei 85% Regenwahrscheinlichkeit mit Windgeschwindigkeiten um die 30 Km/h. Na super. Durch die Zeitumstellung rückte der Start in Richtung 11:40 Uhr Sommerzeit, genügend Zeit für Mainhattan, sich richtig schön aufzuwärmen. Futsch war die kühle Brise vom Morgen. In einem Anflug geistiger Umnachtung kam ich auf die fixe Idee, eine 4:0x zu avisieren. Schließlich verliefen die letzten beiden Trainingswochen hervorragend. Wider besseres Wissen machte ich den Anfänger-Fehler Nr. 1: Zu schnell gestartet, um an die vier Stunden heranzukommen.
Zunächst lief es gut in den Schluchten der Banker. Die bescheidenen Vernunftbauten der Finanzmetropole spendeten Schatten und Windschutz, alles supi. ***An dieser Stelle wollte ich berichten, wie sich der Lauf entwickelte. Ich nahm meine Uhr zur Hand, um mir die Zeiten genau anzusehen. Wat iss passiert? Ich habe den Lauf gelöscht! Hilfe!!!!! Na ja, shit happens.*** So bei Km 14 erkannte ich, dass eine 4:00 nicht mehr so realistisch war. Egal dachte ich mir, 4:06 ist auch fein. Wenige Kilometer später kam die Erkenntnis: 4:10 war eh dein Plan, gefolgt von 4:15 - auf jeden Fall persönliche Bestzeit, und ca. ab Km 36/37 war das Motto: Ankommen, nur ankommen. Beine anheben für längere Schritte: Fehlanzeige. Dafür aber viele Cracks, die mit Krämpfen und/oder dehnend am Rand standen, ein kleiner Trost. Mit 4:20:25 konnte ich mich ins Ziel der Festhalle schleichen. Aus Fehlern lernt man. In Frankfurt habe ich viel gelernt. Der erwähnte Anfänger-Fehler Nr. 1: zu schnell angegangen. Getrieben von der guten Stimmung rund um die Messe Frankfurt setzte sich Bruder Übermut durch. Nicht zu vergessen, Anfänger-Fehler Nr. 2. Meine kühle Wunschtemperatur war nicht angesagt. Was sagte da noch mein Kollege: „Ist die Temperatur zu hoch für dich, korrigiere deine Zeit von vornherein nach unten“. Davon hat Heinz R. im Marathonkurs auch schon immer gesprochen, komisch. Das mit oben/unten sollte ich mir in der Sesamstraße nochmal aufmerksam ansehen. Summa summarum war es eine schöne Veranstaltung und ein tolles Erlebnis. Katrin A. verwendet gerne das Zitat: „Laufen ist eine Art zu Reisen.“ Unter diesem Aspekt betrachte ich die Sache. Frankfurt hatte ich bisher nicht näher kennengelernt. Ich fand es ziemlich imposant, eine Reise wert. Im nächsten Jahr geht’s mit neuer Altersklasse frisch ans Werk. Bei der Frankfurt-Vorbereitung konnte ich die LC-Trainingszeiten nicht mit meinem wirklichen Leben synchronisieren. Das soll sich wieder ändern. Ich freue mich schon darauf, wieder regelmäßig mit Euch laufen zu dürfen.

 

Euer Heiko Kutsch